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[Rezension] Das Leuchten meiner Welt


Autor: Sophia Khan
Verlag: Diana
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2016
Seitenanzahl: 480
ISBN:  978-3-453-35896-6


Irenies Kindheit endet an dem Tag, an dem sie nach Hause kommt und ihre Mutter Yasmeen nicht mehr da ist. Der Vater erklärt nichts, weicht allen Fragen aus. Fünf Jahre vergehen, bis Irenie eine Kiste mit Briefen findet und dem Geheimnis ihrer Mutter näher kommt. Auf der Spur einer verbotenen Liebe reist sie von Amerika bis nach Pakistan, voller Hoffnung, in diesem Sommer Yasmeens Verschwinden endlich zu verstehen.




Das Leuchten meiner Welt ist das Debüt von Sophia Khan, einer pakistanischen Autorin mit amerikanischen Wurzeln. Ich möchte gleich anmerken, dass das Buch über eine einfache Liebesgeschichte hinausgeht. Sowohl vom Schreibstil, als auch vom Inhalt, ist es durchaus für Erwachsene geeignet und bietet einen gewissen Anspruch. 


Es geht um die junge Irenie, Tochter eines Amerikaners und einer Pakistanerin, welche in Amerika aufwächst. Als sie 10 Jahre alt ist, verschwindet ihre Mutter Yasmeen spurlos. Die Gechichte setzt einige Jahre später ein, als Irenie auf dem Dachboden eine Kiste mit alten Briefen ihrer Mutter findet. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dieser verbotenen Liebe? Irenie begibt sich auf eine Spurensuche, die sie bis nach Pakistan führt. Warum verschwand ihre Mutter und welche Rolle spielten die einzelnen Personen ihrer Familie dabei?

“Für mich bist du vollendet. 
Du hast meine Welt zu einem Ganzen gemacht. 
Du bist am Morgen mein erster Gedanke und mein letzter am Abend.”

Die Geschichte wechselt in der Erzählperspektive zwischen Irenie und ihrem Vater James. Abwechselnd erfahren wir einige Kapitel der Handlung von Tochter und Vater. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Während sich Irenie im ersten Teil in Amerika befindet und versucht mehr über die geheimnisvollen Briefe herauszufinden, begibt sie sich im zweiten Teil nach Pakistan.

Der Schreibstil ist etwas anspruchsvoller als in den meisten Liebesgeschichten. Zusätzlich zu den zwei Perspektiven kommen noch unzählige Rückblenden und Zeitsprünge. Da erzählt der Vater von seiner Beziehung zu Yasmeen, von seiner Schwester und seiner Kindheit. Und auch Irenie, erzählt Episoden aus ihrer Kindheit, erinnert sich an die Mutter und an Erlebnisse mit ihrer Freundin. Das macht die Geschichte sehr vielseitig und lebendig, man muss jedoch aufmerksam lesen. Die Sprache bewegt sich zwischen poetisch und kitschig. Der Schreibstil passt aber sehr gut zum Genre und zur Handlung. Man merkt, dass sich die Autorin Gedanken gemacht hat und ihre Worte mit Bedacht auswählt. Jedes Kapitel wird mit einem Abschnitt aus den gefundenen Briefen an die Mutter eingeleitet.

Zwischen anderen Liebesgeschichten sticht das Buch heraus, weil es mehr ist, als nur eine klassische Liebesgeschichte. Vielmehr rekonstruiert die Autorin die Geschichte der verschwundenen Mutter anhand Erinnerungen, Briefen und gegenwärtigen Geschehnissen. Außerdem ist das Thema von binationalen Beziehungen, selten mit so guter Sprache und Hintergrundwissen verbunden, wie hier. Nebenbei bekommt man besonders im zweiten Teil, tiefe Einblicke in die pakistanische Kultur, was das Buch ungeheuerlich bereichert.


“Wann wurde aus dem Inneren einer goldenen Kugel die Enge unter einem dürren Strauch?
 Es hat einmal Zeiten gegeben, 
als mir das Gebüsch vor der Bücherei und die Bäume hinter unserem Haus verzaubert erschienen. Eicheln waren das Zuhause von Elfen, 
und leere Tassen füllten sich in meiner Fantasie mit Tee. [..]
 Heute ist die Welt grau und tot,
 der Sturm nur noch das Wirbeln unversöhnlicher Seelen.”

Erinnerungen vermischen sich in dieser Geschichte mit der Gegenwart. Nach und nach erfahren wir immer mehr von Yasmeen und spüren auch, wie das Verschwinden der Mutter, die Tochter Irenie geprägt hat. Diese jagt jedem erdenklichen Fetzen, den sie über ihre Mutter findet, hinterher. Die Tochter quält das Verschwinden so sehr, dass sie jede Erinnerung für sich vereinnahmt. Sie kocht ihrem Vater pakistanisches Essen und kauft immer noch die selbe Kleidung, die ihre Mutter ihr kaufte. Umso mehr sie über ihre Mutter erfährt, umso mehr erfahren wir auch über Irenie, die sich mit dem Vater und ihrem Umfeld nicht so ganz identifizieren kann. Sie ist eher eine verträumte Einzelgängerin, entwickelt sich jedoch im Laufe des Buches weiter, wächst zusammen mit ihren Entdeckungen über die Mutter. Sie gewinnt immer mehr an Klarheit über sich, ihre Mutter und ihre Herkunft.

Im Original heißt das Buch übrigens “Yasmeen” und ich finde den Titel viel besser, als “Das Leuchten meiner Welt”, da es wirklich vorwiegend um die verzwickte Lebensgeschichte von Yasmeen geht. Das Buch lebt besonders von seiner Vielseitigkeit an zwischenmenschlichen Beziehungen und wundervoll ausgearbeiteten Charakteren, die sich langsam entfalten, wie ein guter Wein.



Vielen Dank an den Verlag für das Exemplar!












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